Amateurfunk lebt

Unser Hobby hat viele Facetten. Wir haben Vieles probiert, und alle haben wir unsere Niesche gefunden. Basteln, Funken, Quasseln, Länder jagen und Contesten, Diplome sammeln und Vieles mehr. Auch der Old Man mit Hut hat gefunden, was ihm Freude macht. Ein Mann mit Erfahrung. Aus unserem Club.

Was hat der auch alles schon erlebt. Hat Volksempfänger repariert, mit Röhrensendern mobil gefunkt und den Anodenstrom moduliert. Wenn er Stories erzählt aus alten Tagen, dann wird es ganz still in der Runde.

Den jungen Leuten erzählt er, wie es damals war, als sich die Funker nach jeder gelungenen Verbindung noch bunte Postkarten schickten. Stolz zeigt er uns Karten aus Ländern, die es gar nicht mehr gibt.

Vieles hat er ausprobiert: Versuche mit damals teuren Transistoren, erste Verbindungen in SSB. Dann kam seine Zeit mit Power und Riesen-Antennen. Er hat die Wochenenden verbracht mit Beam, PA und "five-nine-one-four". Während er Punkte sammelte, musste die Familie leise sein. Und die Woche über war für ihn Zeit, die körperlichen Folgen durchfunkter Nächte zu kurieren. Bis Freitag zum nächsten Contest war er dann immer wieder fit. Noch vor kurzem waren Wände seiner Funkbude geschmückt mit Diplomen, Urkunden, Contest-Pokalen und QSL-Karten.

Sein Shack ist luftiger jetzt. Die Wände sind befreit von Orden und Ehrenzeichen. Seinen Gerätepark mit den alten Schinken hat er weitgehend verschenken können. Bastelkisten gingen in den Müll. Auch die Dicke Berta (PA) hat er entsorgt. Sie stammte aus den sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts im vergangenen Jahrtausend und hatte schon erheblichen Sammlerwert. Uns sagt er: "Nix mehr Power - heut machen wirs schlauer."

Technisch ist er auf der Höhe der Zeit. Funkt selbst in Uralt-Betriebsart mit modernsten Software-Transceivern. Früher bastelte er mit Schwingkreisen, Filtern und Demodulatoren. Heute werkeln bei ihm statt dessen Software, schnelle Schalter und AD-Wandler.

Ein richtiger OM ist er. Über ein halbes Jahrhundert Funkerfahrung hat er auf dem Buckel. Viele technische Entwicklungen und Veränderungen hat er erlebt. Auch bei den Vorschriften. Er kann schmunzeln über Vieles, was ihm früher wichtig war. Inzwischen mag er nur noch vollständige und persönliche QSOs. Für "five-nine" und dazu noch lange anstehen ist ihm die Lebenszeit zu schade. Besonders gern mag er persönliche Kontakte. Er trifft sich oft mit seinen Funkfreunden. Funken, basteln, wandern, in die Ferne reisen. Durch sein Hobby hat er bereits viele Städte und Länder kennengelernt. Dazu viele nette Leute. Und täglich kommen neue hinzu.

Bei uns im Club ist er kein Einzelfall. Nein, es gibt deren viele. Klar gibt es bei uns auch jüngere "OM" und gleichermaßen auch YLs. Im Verein Funkamateure ist immer Raum und Zeit für gemeinsame Aktivitäten und Kommunikation. Wir teilen Interessen, Erlebnisse und Erfahrungen. Wir lernen gemeinsam. Ein angenehmes Miteinander. Amateurfunk lebt. Jedenfalls bei uns.