Funken vom Panorama

Dieses Jahr kamen die Rückfragen zu den Urlaubsbildchen besonders zahlreich. Wo seid ihr? Welche Berge sieht man da? Wo gibts denn so ein Alpenglühen? Wie heisst euer Hotel? WhatsApp, Threema und Signal verbreiten das schöne Panorama von der Hotelterrasse zu den Daheimgebliebenen. Von einem solchen Panorama zu funken ist natürlich was Besonderes!

Wir waren schon mal da gewesen. Im Winter. Eine Woche im Februar. Ständig Nebel und Hochnebel. Einzige Ausnahme war ein Ausflug mit einem Sessellift zu einer Hütte über dem Nebel. Was wir nicht sahen, musste eindrücklich sein. Das wollten wir auch ohne Nebel bewundern. Nun sind wir da. Das Hotel heisst Panorama, und der Name ist Programm.

Zufällig haben wir von den Urlaubsplänen von Sigrid und Harry erfahren. Sie waren für eine Woche im Oberallgäu unterwegs. Im Wohnmobil, also recht beweglich. 12 Bergziegen im Gefolge. Ob wir uns nicht treffen und gemeinsam was in den Bergen unternehmen möchten? Klar, gerne! Aber wo und was? Wir stellten ein paar Vorschläge zur Auswahl zusammen und liessen die beiden beraten.

Am Vortag haben Sigrid und Harry den Grossen Daumen erfolgreich bezwungen. Der Zugang sieht auf der Karte einfach aus, ist aber eine grandiose Steinwüste. Man muss ständig schauen, wo man hintritt. Stundenlang. Entsprechend müde sind die Beiden. Deshalb ihr Wunsch: was Einfacheres, kein Fels, keine Stahlseile. Darauf passt nur einer der drei Vorschläge: die Reuterwanne, DL/AL-163.

Panorama 1: Auf zur Reuterwanne!

Outdooractive hat eine nette Familienwanderung publiziert, die geeignet scheint und uns allen genügend Atem zum Schwatzen unterwegs lassen würde. Treffpunkt ist ein Parkplatz in Jungholz, einer österreichischen Exklave zwischen Tannheimer Tal und Nesselwang. Schon früh während unserer Anfahrt kommt die Meldung: Wir sind schon da und freuen uns auf euch!

Herzliche Begrüssung, dann Start am Sonnenhang, unterwegs sind Familien mit Kindern. Und wir SOTA-Funker. Bald passieren wir im Aufstieg durch den Wald die Grenze nach Deutschland. Nichts Trennendes ist mehr zu sehen. Die meisten Wege bis unter den Gipfel sind einfache Forststrassen. Immer wieder zauberhafte Ausblicke auf die umliegenden Summits. Gleich gegenüber der Sorgschrofen, wo die Exklave mit einem Vierländereck an Tirol andockt. Daneben Wertacher Hörnle und Spiesser. Hinten der Grünten, den man aus jeder Richtung am BR-Sendeturm erkennt.

Der Schlussaufstieg aus Richtung Nord durch den Wald ist steil und bringt uns alle zum Pusten. Dann aber oben ein schöner kleiner Summit mit Ausblicken in alle Richtungen. Familien mit Kindern und Wandergruppen bevölkern den Gipfel. Eine Kuhherde begeistert die Gäste aus ferneren Gegenden.

Die bewährten Stationen sind rasch aufgebaut. Sigrid und Harry starten auf 40 m, ich nehme mir zuerst 20 und 60 m vor, damit wir uns möglichst wenig stören. Die elektronischen Logbücher füllen sich rasch. Die Morsezeichen aus dem Lautsprecher ziehen neben der zweibeinigen Kundschaft auch die Kühe an. Das Gebimmel und die Morsezeichen überlagern sich zu einem modernen Konzert. Ein guter Zeitpunkt zum Aufhören. Die Reuterwanne ist ein ausgezeichneter Aussichtsberg. Die Blicke gehen nicht nur in die Tannheimer Berge und Ammergauer Alpen, sondern auch ins Flachland. Wunderschöne sanfte Täler, gegliedert durch mehrere Längsrippen. Schmucke Dörfer. Heimat unserer Gastgeber.

 

Der Schräghang ist im Abstieg ziemlich steil. Bald ist aber eine Hütte erreicht, und es geht auf einem Spazierweg zu einer Einkehr. Kaffee und Kuchen sind angesagt. Austausch der News der letzten Zeit. Dazu die Frage: Können wir morgen nochmals was zusammen machen?

Panorama 2: Auf zum Breitenberg!

Die Reuterwanne konnten wir schon vom Hotel aus sehen. Das Ziel für Mittwoch auch. Wir hatten uns auf was Einfaches geeinigt, den Breitenberg ob Pfronten, DL/AL-158. Zugang mit der Breitenbergbahn von Pfronten, weiter mit dem Hochalp-Sessellift. Dann noch eine halbe Stunde auf einem recht steinigen Zugangssträßchen. Das war im Winter fast noch einfacher. Oben ist die Ostler-Hütte. Wie eine Krone sitzt sie auf der langgezogenen Gipfelrippe und bietet freie Sicht ins Vorland. Südlich thront der Aggenstein, Grenzberg zum Tannheimer Tal. Königliche Verhältnisse also, nicht nur wegen der berühmten Schlösser mit den spitzen Türmen etwas weiter östlich.

Nach ein paar Zickzack-Kurven erblickt man am Ende des Sträßchens bald die Hütte. Das Gipfelkreuz steht rechts auf einem kleinen Podest. Panorama-Tafeln erklären die Bergwelt. Wir teilen uns auf: Sigrid und Harry finden ihren Platz neben einem Schuppen. Ich selber setze mich neben die Latschen, die Endfed hängt über der Aussichtsbank. Das Funkwetter ist etwas wechselhaft. Eva und Andy sind auf dem Weg in den Süden und ziehen von ihrem Summit rasch weiter. Wie sieht wohl ein (unsichtbares) Funk-Panorama aus? 26 Kontakte gibt es fürs Log, dazu ein sichtbares Panorama der Extra-Klasse.

Sigrid und Harry sind ebenfalls zufrieden. Ein paar Erinnerungsbilder fürs heimische Album, dann geht es wieder runter zur Zubringerbahn. Ein bewusst einfacher Ausflug. Er lässt mehr Raum für Dialoge bei Kaffee, Eis und Kuchen. Die Gastgeber der Hochalphütte sind schlagfertig. Ein Sachse ist dabei, er war kürzlich in der Schweiz, auf dem Säntis. Schnitzel für vierzig Euro. Nimmt man ja nicht alle Tage, meint er und lacht. Unser Imbiss für alle kostet weniger.

Unten am Parkplatz dann die Verabschiedung und der Wunsch auf allen Seiten, in absehbarer Zukunft wieder mal was Gemeinsames zu unternehmen. Klar doch, und gute Heimreise! Zu Hause in Borken ist nach unverhofften Erlebnissen mit Wespen und Mithilfe von Funkfreunden die Kurzwellenantenne nun wieder oben. Entsprechend habe ich Harry nach unserem Treffen auch schon als Chaser dran. Funktioniert! Zu Hause gibt es ein Mikrofon, und eins für unterwegs ist offenbar auch schon bestellt. Beim KX2 ist eines eingebaut.

Panorama 3: Auf zum Aggenstein!

Der Ausflug zum Breitenberg mit Sigrid und Harry ist eine gute Gelegenheit, auf die andere Seite zu schauen. Zum Aggenstein, OE/TI-468 im SOTA-Verzeichnis. Eine markante Nase, die man schon aus grosser Distanz gut erkennt. Den Weg auf der Tiroler Seite haben wir schon früher begangen. Den Aufstieg aus DL kennen wir noch nicht. Die Wanderstrecke ist hier deutlich kürzer. Dazu weniger Höhenmeter. 1 1/4 Stunden zeigt ein Wegweiser mit Hilfe der Google-Bildersuche.

Aber: zur markanten Nase gehört auch ein markantes Mittelstück. Der „Lange Strich“ ist eine steile Schrägfläche mit gegen 50 Haarnadel-Kurven. Das Teil sieht von der Seite abschüssig aus, wie eine Rutschbahn. Ganz oben auf der Gipfelschulter trifft dieser Weg auf den Aufstieg aus Österreich. Ab dort fast durchgängig Stahlseile bis zum Summit. Bergfexen lästern bisweilen, dass man ohne die Seile besser hochkomme. Aber gut: steil ist es, abgelenkt ist man schnell, sicher ist sicher. Hingehen oder vertagen?

Der Magnetismus ist stärker. Ein paar Tage später fahren wir also nochmals zur Hochalpe hinauf. Dort steht ein neuer Wegweiser: gar nur eine Stunde, und nur ein roter Punkt, also kein Alpinwanderweg mehr. Mal schauen, wie viel wir selber brauchen. Die bayerischen Wanderweg-Zeiten scheinen für Schnellgänger berechnet. Zuerst durchqueren wir eine Senke mit Kühen. Danach gehts zur Sache.

Der Einstieg quert eine felsige Rippe. Mehrere Stahlseile helfen nach oben. Der Weg wird gut unterhalten. Einige luftigere Passagen wurden offenbar in der letzten Zeit entschärft. Die Wanderstöcke sind schon länger ausgepackt, nun gehts in gemächlichem Tempo wie eine Zahnradbahn im Langen Strich über die vielen Kehren.

Dass man sich auf einer grossen Schräge bewegt, kriegt man gar nicht so mit. Die Kehren sind klein und gut in den Hang gelegt. Der Weg erinnert mich an den Aufstieg zum Grossen Mythen bei uns in der Schweiz. Zwischendurch werden wir überholt, aber alle sind achtsam. Der Blick nach oben ist eindrücklich, die Stange ganz oben an der Gipfelschulter steht scheinbar senkrecht über uns. Aber sie kommt näher.

Letztlich sind wir nach 2 Stunden oben. Berg heil! Unsere Freundinnen, die Bergdohlen, erwarten uns bereits in grosser Zahl. Aus Erfahrung haben wir immer ein paar Rosinen dabei. Das Panorama ist auch hier umwerfend. Tief unter uns liegt unter dem blauen Himmel das Tannheimer Tal mit dem Vilsalpsee in der Mitte. Die Sonne lacht darüber. Der Blick geht hier weit nach Süden: in die Lechtaler Alpen und über die unzähligen Spitzen hinten am Horizont.

Für die Aktivierung bleiben wir auf dem Nebengipfel. Ein Pflock trägt die Antenne. Ab und zu setzen sich Berggänger zu uns. Die Frage „Was tut ihr denn da?“ beantworten wir gekonnt. „Fischen nach Alpenforellen“ glauben uns längst nicht alle! Die Bedingungen sind auch heute durchschnittlich. 35 Verbindungen gehen ins Log. 40 m läuft wie in den letzten Tagen super. Sylvia, OE5YYN, ist in DL und meldet sich von einem Summit am Bayerischen Wald.

Der Aggenstein ist ein Grenzberg. Der Nebengipfel liegt bereits auf deutschem Gebiet, der Summit aber trägt eine österreichische Referenz. DL/HB9DIZ/p auf OE/TI-468 gibt wie üblich in diesen Fällen ein paar Fragen, die aber rasch geklärt sind.

Der Rückweg will ebenfalls mit Bedacht begangen werden. So verabschieden wir uns rechtzeitig vom Summit und den Bergdohlen, damit es nicht knapp wird mit der letzten Talfahrt der Zubringerbahnen. Wieder brauchen wir länger als auf den Wegweisern angeschrieben, aber es reicht sogar noch für eine Holunderschorle beim Sachsen. Nun kennen wir den Aggenstein von beiden Seiten.

Am Abend hat auch das Panorama Nachtruhe, und das Alpenglühen wird blass. Die Bergfunker lassen sich von der Hotelküche verwöhnen und stärken sich für den nächsten Urlaubstag – die Kälbermästung funktioniert! Bevor wir im Traum nochmals über die Bergwege steigen, zeigt sich hinter dem Säuling noch der Vollmond. Und bald geht es auch für die DIZen wieder nach Hause.

Der SOTA-Wanderurlaub im Ostallgäu im Überblick:

Vy 73 de Markus, HB9DIZ