Frühlingsaussichten

Auch wenn es der Winter noch ein paar Mal versucht – der Frühling ist da. An unzähligen Ecken begegnen wir ihm. Zeit für einen SOTA-Ausflug mit HB9DIZ, der uns auf eine schöne Wanderung in die Ostschweiz mitnimmt.

Noch bis zum 8. Mai ist HB15SOTA zu hören. Die Schweizer leisten sich den Luxus eines eigenen Vereins für den Bergfunk. Schon 15 Jahre, deshalb das Sonderrufzeichen. Der Verein kümmert sich um die Schweizer Gipfelliste und ist die Plattform für die Vernetzung der Mitglieder. Ein Kitt, den die Einzelkämpfer anderswo zuweilen vermissen.

Das Jubiläumsdiplom treibt die Jäger auf die Frequenzen und die Bergziegen auf die Summits. Gesammelt werden mit recht großem Eifer die Kantone, aus denen HB15SOTA sendet. Wer alle hat, bekommt die Edelweiß-Ausgabe, für weniger gibt es ein Enzian- oder ein Alpenrosen-Diplom.

Momentan läuft der Endspurt. Wer geht noch nach Graubünden? Und bitte nicht unter der Woche, wenn viele Jäger im Büro sitzen! Im Home Office ist es schon etwas einfacher, rasch an die Station zu wechseln und die Ohren zu spitzen. Glarus ist auch ohne Diplom schwierig, dort sind die meisten Summits meterhoch verschneit. Glücklich ist, wer HB/GL schon letzten Sommer ergattert hat.

So hat jeder Kanton seine eigenen Besonderheiten. Die Walliser Summits liegen alle höher als 1500 m. Einige Summits befinden sich in Skigebieten. Offen sind jene Gebiete, welche die strengen Auflagen umsetzen können. Das sind aber fast alle. Darunter auch ein paar wenige SOTA-Summits. Einer liegt gleich neben der Bergstation einer Seilbahn. Die Herausforderung liegt in der Reisezeit: neun Stunden Zugsfahrten aus Luzern für Hin- und Rückreise.

Unterwegs in der Ostschweiz

Das Hügelland zu den Voralpen ruft jetzt. Der Schnee liegt nur noch auf den Schattenseiten. Den ersten Blumen kann man beim Wachsen zusehen. Dem Auge bietet sich eine große Pracht. Alles im Kleinen, aber man spürt den Frühling. Er kommt auch hier.

Zwei Ostschweizer Kantone stehen heute für HB15SOTA auf der Agenda: Sankt Gallen (HB/SG) und Appenzell-Ausserrhoden (HB/AR). Ich habe zwei Summits ausgesucht, die ich mit einer längeren Wanderung verbinden kann.

Die Hinreise erscheint umständlich, ist aber abwechslungsreich. Ein Interregio, fünf S-Bahnen und zwei Buslinien. Sieben Mal umsteigen. Zum Glück klappt ein solcher Marathon hier in HB9 eigentlich immer.

Abfahrt um 07.09 Uhr, Ankunft in Dicken bei Degersheim um 09.28 Uhr. Die Wilkethöchi, HB/SG-044, 1172 m hoch, ist weit oben schon sichtbar, etwa 350 Höhenmeter Aufstieg. Ein wunderbarer Aussichtsbalkon. Wurde mir gesagt. Und es stimmt! Die Sonne zeigt sich zwar nur verhalten. Aber nichts fehlt, um die Augen bildlich aufzufüllen.

Der Rastplatz am Summit erleichtert auch mir den Aufbau meiner Spielsachen. KX2, 10-m-Mast, 20 m Draht, 1:64 Koppler, Tablet zum Loggen, Mobiltelefon zum Spotten. 57 Stationen finden ins Log. Der erste ist René, HB9PIM, der auf seinem Summit etwas weiter östlich eingetroffen ist. Im Log auch mein erstes QSO mit Bernd, DK1DU, der rechtzeitig sein Mikro gefunden hat. Danke für diese Freude! Die Distanz auf 40 m nach Kassel passt, Bernd kommt stark rein.

Danach Auftakt zur 7 km langen Wanderung. Zufällig verbindet der Neckertaler Höhenweg beide Summits. Er macht seinem Namen alle Ehre. Unzählige Idylle am Weg entlang von Kreten, Bilderbuch-Aussichten für die Augen. Von der Talstraße hört man nur ab und zu die ersten Motorräder auf Ausflugsfahrt.

Ein paar nahrhafte Aufstiege trainieren die Beine. Oben schöne Frühlingsaussichten und entspannte Abstiege. Nicht nur der Sender schwingt bei einer SOTA-Wanderung, sondern auch das Her(t)z. Die Wirtschaften unterwegs sind alle geschlossen. Bei einigen kann man selber Getränke beziehen und das Geld in eine Kasse legen. Hier funktioniert das gegenseitige Vertrauen noch.

Kaum Leute unterwegs, mit den wenigen Wanderern herzliche Kontakte. Sabrina, HB3XTZ, ist bereits auf ihrem Summit Pfannenstiel, HB/ZH-011, eingetroffen, sie wollen dort bleiben, bis auch ich meinen Hügel für ein Summit-to-Summit-QSO erreicht habe.

Nach knapp drei Stunden Wanderung bin ich am Risiwald, HB/AR-012, 1102 m hoch, eingetroffen, kleine Mittagspause inbegriffen. Ein letzter Aufstieg von 100 Höhenmetern, der nahrhafter aussieht, als er sich anfühlt. Auch hier eine wunderschöne Ecke am Gipfel mit Aussicht, gerade noch in der Aktivierungszone von 25 Höhenmetern.

Sabrina hat auf mich gewartet. Das QSO gelingt mühelos, beidseitig 59 auf ihrer Standard-QRG 145.550 MHz. Danach zur Kurzwelle. Auf 40 m meldet sich halb Europa, darunter auch Robert, DL5FCE. Auch er ist gut zu hören. Ein weiterer Aufsteller! Auch funktechnisch ist also der Frühling gekommen. Auf 60 m ist die einzige vernünftige Frequenz frei, es geht gut in die Nähe, aber auch bis zu UW8SM in die Ukraine.

Die Aussicht besteht aus einem Blick auf meine bisherige Wanderstrecke. Dazu noch einiges mehr. Die Sonne hat sich hervorgemacht. Beruhigend der Blick auf die kleine Kreuzung unten. Dort fährt um 16.27 Uhr mein Bus zum Kantonshauptort Herisau. Für die Rückfahrt nach Luzern muss ich nur 2x umsteigen. Das reicht, um die Füße auszustrecken und während der Fahrt auch mal die Augen zu schliessen.

Nützliches für Draußen

Die Schweiz ist ja bekannt für ihre Berge. Natürlich kennen auch wir nicht alle mit dem Namen, erst recht nicht draußen. Was verwende ich selber regelmäßig zu Hause und draußen für die Orientierung auf meinen SOTA-Trips?

Die Schweizer Landeskarte

Seit dem 1. März 2021 stellt die Eidgenössische Landestopografie (Swisstopo) die digitalen Vermessungsdaten kostenlos zur Verfügung. Schon länger konnten die schönen Schweizer Landeskarten im Browser bis zu einer Auflösung von 1:10 000 betrachtet werden. Neu ist eine App dazu gekommen, und auch im Sotlas kann die Schweizer Landeskarte als Hintergrund für HB9 gewählt werden.

Das Netzwerk für den Langsamverkehr «Schweiz Mobil» basiert auf den gleichen Daten. So gibt es mit dem Wanderland einen nützlichen Layer für Wanderfreunde. Man kommt nie mehr vom Weg ab … so lange der Akku des Smartphones reicht!

Panorama-Ansichten

Peakfinder gibt es als App für Tablet oder Handy, aber auch als Website. Am Handy kann man auch auf eine Overlay-Sicht wechseln und so das Bild der Handy-Kamera mit den Konturen und Namen der Summits überlagern. Die Darstellung ist schnörkellos, Grafiken werden rasch aufgebaut.

Wer es optisch lieber etwas üppiger hat, schaut in den Peakvisor. Auch hier gibt es Apps für Mobilgeräte.

Die Tools verleiten zum spielerischen Herumhüpfen von Summit zu Summit. Man staunt auch, wie weit die Sichtverbindung auch schon auf geringen Höhen reicht und welche Summits am Horizont liegen. Das gibt Appetit, auf einem Summit etwas länger zu verweilen und auch Summit-to-Summit-Verbindungen zu machen.

Wegaufzeichnung

Mittlerweile gibt es sehr viele Apps, um Wegstrecken aufzuzeichnen und als GPX-Wegpunkte abzuspeichern.

Eine funktional und auch optisch gut gelungene App für Mobiles der Apple-Welt wird von MapOut angeboten. Man kann Kartenkacheln herunter laden und sie so auch ohne ständigen Download aus dem Internet nutzen. Die Karten werden blitzschnell aufgebaut. Strecken können mit dem Finger abgefahren und aufgezeichnet werden. Aufzeichnen während der Wanderung ist ebenfalls möglich. Die angegebene Wanderzeit von einer Stunde Aufstieg zur Wilkethöchi ist realistisch.

Frühlingserinnerungen an Frühlingsaussichten

Der Winter hat sich noch nicht verabschiedet, und die Eisheiligen sind erst in fünf Wochen. Schöne Erinnerungen kann einem aber niemand nehmen. Darum hier noch ein paar optische Eindrücke vom gestrigen HB15SOTA-Ausflug in die Ostschweiz.

Die gelben Postbusse erschließen (fast) jeden Winkel der Schweiz.

Noch ist nicht überall Frühling. Zauberhafte Aussicht am ersten Summit Wilkethöchi nach Süden zum Säntis, HB/AI-001, 2502 m, dem höchsten Gipfel in der Region.

Auslegeordnung für den SOTA-Einsatz auf der Wilkethöchi: KX2 mit Handmikrofon, Mobiltelefon, Ohrstöpsel, Tablet fürs Logbuch, Ende des Antennendrahts mit 1:64-Koppler, Koaxialkabel und Sitzpolster für den Operator. Die Schnitzerarbeiten am Summit sind für mich nützlicher Luxus.

Blick in die gemütliche Hütte unterhalb des Gipfels. Vor der Hütte lockt ein Grillplatz. Der Besitzer schaut häufig vorbei und hält die Einrichtungen im Schuss. Viele Dankesworte im Gästebuch. Ein Schmuckstück!

Die gelbe Raute markiert unsere Wanderwege. Wir sind also richtig. Der Abstieg vom ersten Summit führt durch einen Bärlauch-Teppich. Die Wege sind hier nach der Schneeschmelze recht rutschig.

Im Abstieg zur Talsohle. Zufällig markiert der letzte Schnee den Wanderweg über die Wiese. Nicht mehr lange!

Nun geht’s wieder rauf zur Krete auf 1000 m. In schönen, gut überschaubaren Abschnitten. Blick zurück nach Dicken, wohin mich der Postbus gebracht hatte.

Muster für ein paar Tage: Winter und Frühling geben sich die Hand.

Die Bergwirtschaft «Bergli» liegt auf 999 m. Nach einem kleinen Waldstück öffnet sich der Blick in die nächste Geländekammer. Die Wolken lockern auf, und die Sonne lacht über dem Wanderer.

Das Ziel kommt in Sicht. Noch zwei Aufstiege. Links das Dorf Schwellbrunn, das ich auf dem Heimweg noch sehen werde.

Der grandiose Ausblick in die Berge und zum Bodensee vom Ausflugsrestaurant Sitz westlich des Risiwalds ist kostenlos. Die Bergwirtschaft ist leider geschlossen. Das Teleobjektiv erleichtert mir die Routenwahl für den Schlussaufstieg zum Summit halbrechts. Ich werde die Wiese entlang des Zauns queren.

Standard-Aufhängung für die Endfed. Als Haltepunkt für den 10-m-Mast dient ein Zaunpfosten. Für das entfernte Drahtende habe ich einen «Zwickdraht»-Halter zweckentfremdet.

Kanton AR für das HB15SOTA-Diplom verteilen oder zurücklehnen und die Aussicht genießen? Mit etwas Erfahrung geht beides! An diesem schönen Ort habe ich die Signale von Robert, DL5FCE, eingefangen.

Vy 73 de Markus, HB9DIZ

11.04.2021